Resilienz ist keine Charakterfrage – das zeigt eine neue Studie
„Manche Menschen sind einfach resilienter" – dieser Satz fällt oft, wenn es um Belastung im Job geht. Er klingt plausibel, legt die Verantwortung für das Wegstecken von Rückschlägen aber vollständig bei der einzelnen Person ab. Eine grosse, methodisch ungewöhnlich saubere Kohortenstudie mit Gesundheitsfachpersonen zeichnet ein anderes Bild: Resilienz lässt sich zu einem erheblichen Teil auf konkrete, veränderbare Bedingungen am Arbeitsplatz zurückführen.
Die Studie: drei Erhebungswellen, über 2.400 Fachpersonen
Ein Forschungsteam um Papoula Petri-Romão begleitete spanische Gesundheitsfachpersonen über drei Erhebungswellen hinweg – von April 2020 bis Mai 2022, also während und nach den intensivsten Phasen der Corona-Pandemie. An der ersten Welle nahmen 2.422 Personen teil, in den Folgewellen 1.827 beziehungsweise 538. Diese Zeitspanne ist eingeordnet: Es geht um eine Phase aussergewöhnlich hoher Belastung im Gesundheitswesen, nicht um den Berufsalltag 2026. Der methodische Kniff der Studie macht sie trotzdem auch heute relevant.
Statt Resilienz einfach per Selbstauskunft abzufragen ("Wie widerstandsfähig fühlen Sie sich?"), rechneten die Forschenden sie aus: Sie bestimmten zunächst, wie viel psychische Belastung bei einer bestimmten Menge an Stressoren im Schnitt zu erwarten ist – und werteten jede Abweichung nach unten als individuelle Resilienz. Wer also trotz vieler Belastungsfaktoren weniger Symptome zeigte als statistisch erwartbar, galt als resilient. Dieses Vorgehen ist weniger anfällig für Verzerrungen als reine Selbsteinschätzung.
Drei Faktoren – und keiner davon ist Charakter
Von allen untersuchten Merkmalen sagten drei die spätere Widerstandsfähigkeit am zuverlässigsten voraus, und alle drei beschreiben nicht die Person, sondern ihre Arbeitsumgebung:
- Tatsächliche Erholungsmöglichkeit – der stärkste Einzelfaktor. Nicht die Absicht, sich zu erholen, sondern ob echte Erholung im Alltag realistisch möglich war.
- Unterstützung durch Kolleg:innen – ein über die Erhebungswellen hinweg stabil positiver, statistisch signifikanter Effekt.
- Vertrauen in die eigene Organisation – wirkte besonders dann schützend, wenn die Belastung durch Stressoren bereits zu Beginn hoch war.
Persönlichkeitsmerkmale, die häufig als Resilienz-Bausteine gehandelt werden, traten dahinter zurück. Die Studie liefert damit keinen Beleg dafür, dass individuelle Faktoren bedeutungslos wären – wohl aber dafür, dass strukturelle und zwischenmenschliche Bedingungen am Arbeitsplatz eine mindestens ebenso grosse, oft unterschätzte Rolle spielen.
Wer nach Rückschlägen wieder aufsteht, tut das selten allein aus eigener Kraft – sondern oft, weil Kolleg:innen, Organisation und echte Erholungszeit das möglich gemacht haben.
Was das für HR und BGM bedeutet
Diese Erkenntnis ergänzt eine bereits länger bekannte Beobachtung aus der Führungsforschung: Prävention, die allein bei Resilienztrainings für einzelne Mitarbeitende ansetzt, greift zu kurz, wenn die strukturellen Bedingungen unverändert bleiben. Konkret heisst das für Unternehmen:
- Erholungszeit muss real nutzbar sein – nicht nur formal existieren (Pausen, die durch Erreichbarkeit faktisch entwertet werden, zählen nicht).
- Kolleg:innen-Zusammenhalt ist ein Schutzfaktor, kein Soft Skill – Teamstrukturen, die Austausch und gegenseitige Unterstützung ermöglichen, wirken messbar.
- Vertrauen in die Organisation lässt sich nicht verordnen, aber durch Transparenz und Verlässlichkeit in der Kommunikation aufbauen.
Fazit: Struktur schafft die Bedingung, das Individuum braucht das Werkzeug
Die Studie zeigt deutlich: Ohne die richtigen Rahmenbedingungen bleibt individuelle Resilienzarbeit auf halbem Weg stehen. Gleichzeitig gilt auch das Umgekehrte – selbst die beste Struktur nützt wenig, wenn Mitarbeitende die vorhandene Erholungszeit nicht tatsächlich zur inneren Regeneration nutzen können. Genau hier setzt unser Audio-Programm „Resilienz aufbauen" (29.90 €/CHF pro Person) an: als niederschwelliges Werkzeug, das verfügbare Erholungszeit in echte innere Widerstandskraft umsetzt – als Ergänzung zu strukturellen BGM-Massnahmen, nicht als Ersatz dafür und nicht als Ersatz für ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Für Unternehmen, die das Thema als Team angehen möchten, eignet sich zudem unsere Firmenbox als Einstieg – Details unter hypnovital.net/audio/resilienz.
Quellen
- Petri-Romão, P., Martínez-Alés, G., Martinez-Morata, I., Moreno-Küstner, B., Fernández-Jiménez, E., Hecker, I., Melchior, M., Mittendorfer-Rutz, E., Sijbrandij, M., Walter, H., Witteveen, A. B., Ayuso-Mateos, J. L., Bravo-Ortiz, M.-F., Kalisch, R., Puhlmann, L. M. C., & Mediavilla, R. (2025). Resilience changes and occupational resilience factors among healthcare workers during and after the COVID-19 pandemic: A 2-year prospective cohort study. Scientific Reports, 15, Art. 29263. DOI: 10.1038/s41598-025-09829-8
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